Ein Denkanstoß zu Produktivität, Digitalisierung und der Zukunftsfähigkeit des deutschen Maschinenbaus.
Wie steht es um den deutschen Maschinenbau?
Kann der deutsche Anlagenbau die internationale Aufholjagd noch schaffen, wenn Unternehmen zunehmend Personal abbauen, zukunftsrelevante Geschäftsfelder aufgeben und die Politik zugleich fehlerhafte Leitplanken für Wirtschaft und Gesellschaft setzt?
Diese Frage ist unbequem. Doch ich denke sie trifft den Kern einer Entwicklung, die im PwC Maschinenbau-Barometer Q2/2025 sichtbar wird. Der Report ist vom Juni 2025. Befragt wurden 150 Führungskräfte des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus zwischen dem 29. April und dem 4. Juni 2025.
Wie steht es also um den deutschen Maschinenbaus?
Die klare Antwort:
Aufholen ist noch möglich, aber nicht durch bloßes Sparen
Personalabbau löst das Produktivitätsproblem nicht automatisch
Die geringe Auslastung ist kein Entwarnungssignal
Geschäftsfelder aufzugeben kann richtig sein, aber nur mit strategischer Klarheit
Die Digitalisierung erreicht die Wertschöpfung noch nicht ausreichend
Die Summe aus Regulierung, Kostenbelastung, geopolitischer Unsicherheit und wechselnden Anforderungen des Marktes hemmen die Entwicklung der Unternehmen massiv.
Was bedeutet das für 2025 und 2026?
Die internationale Aufholjagd ist noch zu schaffen. Aber nicht, wenn Transformation hauptsächlich als Personalabbau, Kostensenkung und Portfoliobereinigung verstanden wird. Der PwC-Report zeigt drei klare Aufgaben:
Erstens: Unternehmen müssen ihre Produktivität steigern, ohne dabei die entscheidenden Kompetenzen zu verlieren.
Zweitens: Digitalisierung und KI müssen stärker in Produktion, Montage, Service und Geschäftsmodelle gelangen.
Drittens: Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen ermöglichen, statt unternehmerische Energie in Bürokratie und permanente Anpassung zu lenken.
Vielleicht lautet die eigentliche Frage deshalb nicht: Kann der deutsche Anlagenbau noch aufholen? Sondern: Sind Unternehmen, Führung und Politik bereit, die Bedingungen zu verändern, unter denen diese Aufholjagd stattfinden muss?
Wir werden die Systeme von morgen nicht erfolgreich bauen, wenn wir heute genau jene Menschen, Fähigkeiten und Strukturen aufgeben, die sie erst möglich machen.
Ihr Björn Meyer